Der Papst war informiert

Der Papst war informiert

Palankaer Erinnerungen von Prälat Johannes Grieser

Durch einen ungarischen Jesuiten aus Kalocsa kam ich zu P. Robert Leiber S.J., dem Geheimsekretär des Papstes Pius XIII. Er beauftragte mich, einen Bericht ausschließlich für den Papst auszuarbeiten. Das machte ich gemeinsam mit Dr. Raimund Amann aus Apatin, der damals mit seinem Bruder am Germanikum in Rom studierte. „Mehr als 20 mit Maschine geschriebene Seiten dürfen es nicht sein“ – lautete der Befehl… Ich wusste genau den Tag und die Stunde, da der Papst diesen Bericht auch las. Und dann kam die erste große Privataudienz.

Am 17.12.1946 wurde ich, drei Wochen nach meinem schriftlichen Bericht, empfangen und war damals mit dem Hl. Vater 12 Minuten allein mit dem Hl. Vater 12 Minuten allein mit  den Sorgen und Problemen unseres Volkes zusammen. Ich war erschüttert, wie bekümmert er um alles war, aber auch überrascht über das einmalige Gedächtnis dieses großen Mannes. Fünf Minuten regnete es Fragen. Es ist unglaublich, was ihn nicht alles interessierte. Bei einer Frage wollte ich weiter ausholen, damit er mich auch gut verstehe, da sagte er lächelnd: „Das brauchen Sie nicht zu tun, ich kann mich erinnern, das in Ihrem Referat gelesen zu haben…“. Gelesen hatte er das vor gut drei Wochen!

Schon am anderen Tag nahm er Verbindung auf mit den aus England, Frankreich und Amerika in Rom akkreditierten Gesandten. Worüber da gesprochen wurde, kann ich nicht wissen, dass aber von uns die Rede war dürfte außer Zweifel sein, da alle drei Botschaften von mir Unterlagen verlangten, die sie auch bekamen. Von jenen Tagen her datiert auch meine Freundschaft zu Jean-Jacques Maritain, der damals Frankreich beim Hl. Stuhle vertrat.

In einer amerikanischen Zeitung erschien ein Photo von mir mit der Überschrift: „Der erste Donauschwabe beim Papst.“ Wehmütig lächelte ich und fügte hinzu: „Nicht ich, sondern durch mich war mein ganzes Volk beim Papst und bat um Hilfe!“ Die Not unseres heimgesuchten Volkes kam auch durch den Papst der ganzen Welt zu Ohren! – Palanka war immer und überall dabei. Am Anfang sagte ich schon, dass ich mit einzelnen Mitgliedern des Fürstengeschlechtes der Odescalchi oft zusammentraf – und diese waren doch Besitzer auch des Gutes Ilok. Es gab mal eine Zeit, wo ich von Ilok aus Palanka oft bewunderte. Von der Terrasse des Schlosses konnte man die weite Ebene gut überblicken. Vom Stammsitz der Odescalchi von Rom aus führen verästelte Wege in die Weltöffentlichkeit, wie über die Donau, und viele meiner Berichte gingen auch in alle Welt!

Ich komme mir vor, wie ein entblätterter Baum, der nun nackt und kahl vor Euch steht. Bisher war das meiste, das ich hiermit vorlege, niemandem bekannt. Nun aber gab ich es preis, aber nur Euretwegen, denen ich das schuldig war. Es ist auch ein Stück Geschichte,  und das aus erster Hand, Geschichte, zu der wir alle wesentlich beitrugen – ein Stück unserer Geschichte. Unsere Heimat, und mit dieser ist auch Palanka zerbrochen. Geblieben ist ein Teil von uns.

Ich kam inzwischen weit in der Welt herum, aber jedes Mal, wenn ich an den Donaustrom komme, sende ich mit den auch an Palanka vorbeiströmenden Wassermassen stets Grüße mit an die Toten auf unseren dortigen Friedhöfen. Bei dieser Gelegenheit aber grüße ich alle meine lieben lebenden Palankaer, wo immer sie sich auf der Welt auch aufhalten mögen…

Ich denke an alle und allen wünsche ich Glück im Leben und Gottes Segen!

Quelle:

Entnommen der Heimatzeitung „Der Donauschwabe“.
Koluter Neuigkeiten 1999 / 2000