Lebenslauf eines Seelsorgers

JOHANN GRIESER

Lebenslauf eines Seelsorgers

(17.6.1913 Kolut – 21.11.1992 Hall/Tirol)

   Johann Grieser wurde am 17. Juni 1913 in Kolut in der Batschka als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Nach den Gymnasialjahren in Apatin, Sombor und Travnik 1925-32, studierte er in Split und Agram Theologie. Die Priesterweihe empfing er am 29. Juni 1937 in Szabadka/Subotica. Er wirkte in: Volks- u. Gewerbeschule Bezdan 1937-39, Volksschule Doroslovo 1939, Hauptschule und Deutsche Lehrerbildungsanstalt Neuwerbaß 1939-41, und Palanka als Pfarrhelfer, Katechet (Volks-, Haupt-, Gewerbeschule) und Vikar 1941-44.

Nach seiner Kaplanzeit war er an der privaten Deutschen Schule in Werbaß und an der dortigen Lehrerbildungsanstalt als Religionsprofessor  tätig und bei seinen Schülern als ausgezeichneter Pädagoge geschätzt und beliebt. Durch sein vorzügliches Rednertalent konnte er seinen Unterricht spannend und interessant gestalten und viele seiner Schüler begeistern. Stets waren seine Gottesdienste überfüllt, denn seine Predigten „zogen“. Nur selten waren weniger als 1000 Gläubige in seinen Gottesdiensten anwesend. Dies schilderte er auch in einem 1958 erschienenen Beitrag ‚Erinnerungen an Palanka‘, in dem er sich an seine Erlebnisse ab 1941 als „verbannter“ Kooperator erinnerte. – Während des Krieges war Prof. Grieser Religionslehrer in Palanka und  katholischer Pfarrvikar in Alt-Palanka.

Er wurde auch von verschiedenen Seiten bespitzelt, angezeigt und als „Pangermane“ diffamiert, wobei er sein Deutschtum nie verhehlte. Vor allem hing er an seiner angestammten Heimat und besonders an seiner früheren Wirkungsstätte Palanka, die damals zu den schönsten und reichsten Gemeinden der Batschka gehörte. Hier fand man gut geführte Geschäfte, ein angesehenes Handwerk und ein kultiviertes donauschwäbisches Bauerntum. Prof. Grieser war jedoch auch ein guter Organisator.

Er gründete einen Frauenbund, der es sich zur Aufgabe machte, die Not der Armen und Kranken zu lindern und ihnen durch tätige Nächstenliebe zu helfen. Das gelebte Christentum und der lebendige Glaube waren stets seine Grundanliegen. Nach seiner Versetzung nach Palanka hielt er Exerzitienkurse in Werbaß, Neusatz, Sentiwan und Apatin.

Grieser wurde im November 1944 festgenommen und in verschiedenen Titolagern interniert. Anfang 1945 kam er so auch in das „Zentrale Zivile Lager“ Neusatz/Novi Sad, aus dem er jedoch im Frühjahr 1946 fliehen konnte. Zunächst nahm ihn Erzbischof József Grösz in Kalocsa auf. Später gelangte er zu Kardinal József Mindszenty in Budapest. Dort wurde Grieser in seinem Vorhaben zur Romreise wesentlich unterstützt, um über die an den Donauschwaben seit 1944 begangenen Gräueltaten dem Heiligen Vater zu berichten. Als er in Rom ankam, informierte Radio Vatikan in vielen Sprachen die Weltöffentlichkeit.

   Papst Pius XII. empfing ihn am 17.7.1946 zu einer ‚Privataudienz‘. Grieser überreichte seinen persönlich verfassten Bericht von 20 maschinengeschriebenen Seiten über die ausweglosen Leidenssituationen in den sieben Todeslagern des Tito-Regimes. Diesen „Hilfeschrei“ übermittelte Papst Pius XII. an die in Rom Akkreditierten von USA, England und Frankreich.

Es gelang einflussreiche Politiker einzuschalten, die sich um die Verbesserung der unmenschlichen Haftbedingungen der Jugoslawiendeutschen bemühten. Dies brachte in humanitärer Hinsicht die Wende, und allmählich änderten die Partisanen ihre Ausrottungsstrategie und ließen die Lagerinsassen in weiterer Folge ‚fliehen‘.

Dezember 1946 kam Grieser als Flüchtling nach Tirol. Hier übernahm er vielfältige Aufgaben: Als Kooperator, Pfarrprovisor ab 1. September 1947 in Pfunds.

Ab 1. Aug. 1948 (Auftrag: 29. Juli) wirkte er in Haiming als ‚Lagerseelsorger‘ und in den Lagern in Linz, Haid, Stadl-Paura, Schwanenstadt und Mondsee als Volksmissionar. Hier half er seinen heimatvertriebenen Landsleuten bis Feb. 1957, und es gelang ihm, Hoffnung und Zuversicht in das Dunkel der notvollen Nachkriegszeit zu bringen. Er führte Einkehr- und Besinnungstage in ganz Tirol durch. Nach dem Ungarnaufstand (Okt./Nov.) 1956 wurde Grieser am 1. Dez. zum Bischöflichen Beauftragten für die „Ungarische Flüchtlingsseelsorge“ ernannt und am 23. Juli 1962 in die Apostol. Administratur Innsbruck-Feldkirch inkardiniert (zuvor Kalosca-Bacs).

Bis Sept. 1962 befand sich sein Dienstsitz im Lager für Volksdeutsche in Haiming. Nach Auflösung der Lager in Österreich wirkte er vor allem auf sozial-caritativem Gebiet und unterstützte seine Mitbrüder und mehrere Bischöfe in Jugoslawien durch Hilfssendungen und Mess-Stipendien. In diesen Jahren begann seine segensreiche Tätigkeit für die Kirche in Not in Jugoslawien und Ungarn, für die er zunehmend viele großherzige Helfer gewinnen konnte.

17. Sept. 1962 bis Juli 1973 war er Religionsprofessor am ‚Wirtschaftskundlichen Realgymnasium für Mädchen‘ der Ursulinen in Innsbruck und wohnte bei den ‚Hl.-Kreuz-Schwestern‘ (Kaiserjägerstraße).

Griesers Wirken erfuhr eine besondere Anerkennung durch Papst Paul VI. (s. Foto) mit der Ernennung zum Monsignore im Nov. 1968, sowie 1969 zum Ehrenkanonikus von Innsbruck. Seine ‚40-Jahre-Priester-Feier‘, 1977 in Rom, zeigte auch die Wertschätzung seiner Kollegen. Wegen seiner großen Verdienste um die Kirchen Kroatiens, Serbiens, Ungarns wurde er in  den darauffolgenden Jahren mit den Titeln Ehrendomherr von Zagreb, von Subotica und von Esztergom (des Metropolitankapitels Gran am 28.7.1979) gewürdigt. Seit 12.8.1980 war er päpstlicher Prälat. 1984 erfolgte die Berufung zum Titularabt durch den Erzbischof von Kalocsa, Dr. József Ijjas.

–  Von Papst Johannes Paul II. wurde Grieser 1985 zum ‚Apostolischen Protonotar‘ ernannt. –

Johann Grieser trat am 31.8.1973 in den Ruhestand und übersiedelte zu den ‚Zisterziensern‘ ins Stift Stams. Kurze Zeit wirkte er als Pfarrprovisor in Rietz. Der Geistliche war mehrfach bei der ‚Gelöbniswallfahrt‘ der Donauschwaben in Altötting, 1981 + 1982 Festprediger und Hauptzelebrant bei diesem jährlichen Großereignis der Donauschwaben in Kanada (Mary Lake, Toronto) und auch in den USA (Trenton, Philadelphia + Lake Villa, Chicago).

Dann machte sich die Last der Jahre jedoch bemerkbar. Von Juni 1986 bis April 1988 verbrachte er im Betagtenheim in Imst, wo er die Bewohner des Heimes seelsorgerisch betreute und auch Messen las. Grieser lebte in den letzten Jahren im Anna-(Pflege-) heim in Hall/Tirol. Nach langer schwerer Krankheit verstarb er dort am 21. November 1992.

Zum Begräbnis auf dem Friedhof in Hall kamen viele aus der Heimatgemeinde Kolut und ebenso aus Palanka stammende Landsleute. Dekan Ernst Jäger würdigte ‚Leben und Werk‘ von Monsignore Prälat Johann Grieser:

„Den Heimatverlust habe er nie verschmerzt und sei Zeit seines Lebens heimatlos geblieben“

– Nun aber durfte er in die ewige Heimat zurückkehren –

(Nach Vorlagen von Rudolf Fath, St. Gerhards-Werk Stuttgart,
Käthe Marx, Philadelphia, und Katharina Tscherny, Karlsruhe)